Straßenbahn

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Hintergrund

Liniennetz der Straßenbahn Reutlingen zum Zeitpunkt der größten Ausdehnung (12. September 1964 - 6. September 1967)
Die Reutlinger Straßenbahn findet ihren Ursprung in der Bahnline vom Hauptbahnhof über Honau nach Kleinengstingen. Als diese Strecke 1892 in Betrieb genommen wurde, hatte man während der Bauzeit die Gemeinde Eningen u. A. nicht berücksichtigt, wodurch Eningen auch keinen Anschluß erhalten hatte. Zeitweise wurde der Südbahnhof auch als Eningen u. A. geführt. Jedoch war dieser zu weit vom Ort selbst entfernt, als das er den Eningern genutzt hätte.

Auf Druck der Eninger Gemeinde wurde deshalb nach einer Lösung gesucht. Diese fand sich dann im Bau einer Lokalbahn mit einer auf Dampf betriebenen Straßenbahn, welche am 1. November 1899 in Betrieb genommen wurde und die von Eningen über den Südbahnhof durch die Gartenstraße zum Hauptbahnhof führte. Diese Dampfstraßenbahn wurde vom Innsbrucker Bauunternehmer von Schwind gebaut.

Diese Strecke rentierte sich jedoch von Anfang an nicht und so war man schnell gezwungen eine andere Lösung zu finden. Zuerst übernahm Eningen selbst die Strecke doch auch dies half nicht die Rentabilität zu erreichen. 1909 begannen dann die Verhandlungen mit der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG), welche die Strecke übernehmen sollte und zu einer reinen Straßenbahn umbauen und erweitern sollte. Dies scheiterte in den Anfängen jedoch am Widerstand von Pfullingen. Erst 1911 kam es zu einer Einigung und dem einlenken Pfullingens, denn ein Fabrikant stellte Pfullingen vor die Wahl ob sie eine neue Fabrik haben wollten und somit neue Arbeitsplätze oder nicht, denn die Bedingung für den Bau der Fabrik war ein Anschluß an die geplante Straßenbahn.

Nach der Einigung begann die WEG zügig mit dem Umbau der bestehenden Strecke und der Erweiterung der Strecke bis Betzingen. Bereits am 24. Juli 1912 wurde die neue Staßenbahn feierlich eingeweiht. Die neue Straßenbahn hatte nun einen anderen Verlauf durch die Stadt. Die bis dahin durch die Gartenstraße führenden Gleise wurden in die Wilhelmstraße verlegt, so dass die Gleise nun auch über den Marktplatz führten. Bei diesem Neubau der Strecke, wurden auch die Oberleitungen angebracht, so dass die gesamte Strecke nun elektrifiziert wurde. Damit endete auch die Ära der Dampflokstraßenbahn in Reutlingen und die neue Ära der elektrischen Straßenbahn begann.

1916 wurde dann am Südbahnhof die Abweichung und die neue Teilstrecke nach Pfullingen in Betrieb genommen. Alle Strecken waren eingleisig gebaut worden mit einzelnen Ausweichen um trotzdem einen gleichzeitigen Betrieb der Strecke in zwei Richtungen zu bewerkstelligen.

Nach dem 1. Weltkrieg begannen die Pläne bzgl. des Ausbaus der Strecke und man nahm Gespräche mit den umliegenden Gemeinden auf. So wurde am 1. August 1928 die neue Teilstrecke über Rommelsbach und Oferdingen nach Altenburg in Betrieb genommen. Die Abrechnungen der WEG waren jedoch alles andere als erfreulich für die Stadt und so begannen die Gespräche bzgl. einer Übernahme der gesamten Strecke durch die Stadt Reutlingen. Da jedoch mit der WEG ein Kündigungsschutz von 30 Jahren vereinbart worden war, musste die Stadt bis kurz vor Ende des 2. Weltkrieges warten. Am 1. März 1944 war die offizielle Übergabe der 18,3 km langen Strecke an die Stadt Reutlingen.

Am 12. September 1964 erreichte das Reutlinger Straßenbahnnetz die größte Länge mit 19,5 km, als die Teilstrecke nach Orschel-Hagen in Betrieb genommen wurde. Bereits in dem selben Jahr wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das den Nutzen der Straßenbhan ermitteln sollte. Das Gutachten kam zu dem Schluß das eine Umstellung auf Buslinien rentabler wäre. Aber erst 1967 kam es zu den ersten Folgen, nach einem personellen Wechsel im Bürgermeisteramt.

Am 6. September 1967 wurde die Betzinger Strecke auf Grund von Bauarbeiten eingestellt. Mit Beginn der Umbaumaßnahmen am Karlsplatz wurde das Straßenbahnnetz in zwei Teile - das Nordnetz und das Südnetz - aufgeteilt. Auf dem Nordnetz fuhr am 30. Mai 1970 die letzte Straßenbahn die Strecke vom Hauptbahnhof nach Altenburg und Orschel-Hagen. Das Südnetz mit seinen beiden Strecken sollte bereits 1972 stillgelegt werden. Dank einiger Widerstände fuhr hier jedoch erst am 19. Oktober 1974 die letzte Straßenbahn nochmals nach Eningen und Pfullingen.

[Bearbeiten] Das Streckennetz

Anfang der 60er Jahre wurden auf den Bahnen auch Liniennummern angegeben. Bis dahin stand nur jeweils die Endstation auf den Wagen. Insgesamt gab es nur 4 Linien der Reutlinger Straßenbahn.

Linie 1
Dies war die ursprüngliche Strecke und führte von Betzingen über den Hauptbahnhof/Karlsplatz über die Wilhelmstraße, den Marktplatz sowie den Südbahnhof bis nach Eningen. Nach der Stilllegung der Betzinger Strecke fuhr sie nur noch bis zum Karlspaltz und seit den Umbauarbeiten am Karlsplatz war die Endstation in die untere Wilhelmstraße verlegt worden. Die größte Länge dieser Strecke waren 7,2 km.

Linie 2
Die '2' führte vom Hauptbahnhof über den Südbahnhof nach Pfullingen, wo auch eine der beiden Wendeschleifen des Reutlinger Straßenbahnnetzes auf dem Laiblinsplatz war. Die Endstation wurde 1968 ebenfalls in die untere Wilhelmstraße verlegt. Die maximale Länger der Strecke waren 4,2 km.

Linie 3
Linie 3 fuhr vom Karlsplatz über Rommelsbach und Oferdingen nach Altenburg. Als 1968 die Umbauarbeiten am Karlsplatz begannen wurde eine neue Endstation am Nordring gebaut. Dies war die längste Strecke der Reutlinger Straßenbahn mit maximalen 8,3 km.

Linie 4
Dies war die neueste Strecke und führte vom Karlsplatz nach Hagen über Orschel - heute ein Ortsteil mit dem Namen Orschel-Hagen. Auch hier war die Endstation 1968 auf Grund der Umbauarbeiten am Karlsplatz an den Nordring verlegt worden. Dies war zugleich auch die kürzeste Strecke mit maximal 3,6 km.

Anfang 1968 hätten die Linien geändert werden sollen. Dies wurde nach wenigen Tagen Praxis jedoch schnell wieder verworfen, da die Fehlplanung beim Umbau des Karlsplatzes zu einem erheblichen Chaos durch große Rangierarbeiten und somit stundenlangen Verspätungen führte. Somit gab es nie eine Änderung der Strecken während des gesamten bestehens der Reutlinger Straßenbahn.

[Bearbeiten] Haltestationen

Linie 1
Eningen Bahnhof - Eningen Weberei - Südbahnhof - Erwin-Seiz-Straße - Uhlandstraße - Seestraße - Burgplatz - Marienkirche - Marktplatz - Untere Wilhelmstr. (seit 1968) - Karlsplatz/Hauptbahnhof - Hohenzollernstraße - Lohmühlestraße - Bösmannsäcker - Bosch-Betriebe - Betzingen Steinachstraße - Betzingen Quellenstraße - Betzingen

Linie 2
Pfullingen Laiblinsplatz - Pfullingen Lindenplatz - Pfullingen Bismarkstr. - Pfullingen Goethestr. - Pfullingen Arbachbrücke - Südbahnhof - Erwin-Seiz-Straße - Uhlandstraße - Seestraße - Burgplatz - Marienkirche - Marktplatz - Untere Wilhelmstr. (seit 1968) - Karlsplatz/Hauptbahnhof

Linie 3
Altenburg - Oferdingen - Rommelsbach Bosch-Betriebe - Rommelsbach Nord - Rommelsbach Mitte - Rommelsbach Süd - Frankfurter Straße (seit 1969) - Landesaltersheim - Orschel - Dietweg - Reithaus - Schieferstraße - Friedhof - Karlsplatz/Hauptbahnhof

Linie 4
Hagen - Esslinger Straße - Heilbronner Straße - Orschel - Dietweg - Reithaus - Schieferstraße - Friedhof - Karlsplatz/Hauptbahnhof

[Bearbeiten] Heute

Nur noch an wenigen Stellen ist etwas von der Reutlinger Straßenbahn erhalten geblieben. In Eningen steht noch das alte Stationsgebäude das noch für die Dampfstraßenbahn gebaut worden war. In der Pfullinger Uhlandstraße ist noch ein Oberleitungsmast erhalten geblieben. Von den Gleisen der alten Strecke ist nichts mehr erhalten, jedoch werden einige Trassenabschnitte noch heute für andere Zwecke verwendet. Insbesondere als Fuß- und Radwege sind diese Abschnitte heute im Einsatz. Ein Abschnitt z.B. ist der Fuß- und Radweg vom Südbahnhof nach Eningen bis zur Weberei.

Auf dem Gelände der Fair energie in der Hauffstraße steht hinter dem Hauptgebäude ein Triebwagen mit 2 Waggons. Diese sind im Winter auch von der Schnellstraße B 28 nach Tübingen zu sehen. Sie stehen unter einem Baldachin neben dem Gaskessel.

In den letzten Jahren lebte die Diskussion über eine neue Straßenbahn in Reutlingen wieder auf, da das gestiegene Verkehrsaufkommen und die immer stärker zusammenwachsenden Gemeinden nach einer Lösung verlangen. Die neue Straßenbahn soll, nach dem was bisher bekannt ist, jedoch deutlich erweitert werden zum alten Streckennetz. So ist eine Erweiterung bis Unterhausen evtl. sogar bis Honau (Gemeinde Lichtentein) geplant. Auch eine Anbindung an Metzingen ist im Gespräch und eine Anbindung bis nach Tübingen.

Die bisher erstellten Expertisen und Gutachten bescheinigen eine hohe Rentabilität des Streckennetzes und würden die Kosten auch schnell wieder einspielen. Jedoch scheitert das ganze bis heute am Willen und an den Mitteln. Der Neubau eines solchen Straßenbahnnetzes würde zum Teil auch eine erhebliche Veränderung der Straßen in Reutlingen nach sich ziehen. Es ist nicht genau abzuschätzen wie lange der Bau dauern würde. Jedoch wäre mit erheblichen Behinderungen während der Bauphase zu rechnen. Ebenso ist nicht geklärt wer der Träger wäre. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht wäre eine neue Straßenbahn für die Stadt Reutlingen und die Region Reutlingen von hohem Nutzen.

[Bearbeiten] Weblinks

Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Reutlinger Straßenbahn“


Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Regionalstadtbahn Neckar-Alb“


Bilder bei Werner Früh
GEA-Artikel vom 05.07.2002 zur neuen Straßenbahn
GEA-Artikel vom 12.09.2005 zur neuen Straßenbahn

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