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Erinnerungen Frau Weber, Kurrerstraße

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Erinnerungsreise von Frau Weber aus der Kurrerstraße, erschienen in der TV-Zeitung

In der Kurrerstraße anno 1955
„Ich wohne gerne hier in der Tübinger Vorstadt. Natürlich hat sich seit unserem Einzug im Jahr 1948 vieles verändert, aber die Vertrautheit mit dem Stadtteil ist geblieben“.

Brand durch Bombenangriffe

Wenn sie allerdings über den Beginn hier spricht, dann hört man noch heute die große Erschütterung heraus, die damals ihre Familie in einer der drei Bombennächte im Winter 1945 traf. Die so aussichtslose Lage und die Ohnmacht, nichts unternehmen zu können, sind noch immer sehr gegenwärtig.
Ihr Vater hatte kurz vor dem Krieg das Haus in der Kurrerstraße gekauft. Die Familie wohnte damals noch in der Altstadt von Reutlingen. Ihre Einschulung war 1930 in die Gartentorschule.
Bei einem der drei Luftangriffe auf Reutlingen 1945 (15. Januar, 22. Februar und 1. März) - der wohl eigentlich dem Bahnhof und den Bahngleisen galt - wurde das Nachbarhaus durch eine Brandbombe getroffen. Wegen der vielen anderen Brände im Zentrum gab es keine Möglichkeit, diesen Brand zu löschen.
Das Feuer erfasste auch ihr Haus, beide Gebäude brannten bis auf die Grundmauern ab. Zum Glück gab es aber hier keine Todesopfer zu beklagen.

Wiederaufbau nach dem Krieg

Bald nach Kriegsende konnte jedoch mit dem Wiederaufbau begonnen werden. 1948 zog die Familie ein. In einen 1951 erstellten Neubau auf dem Nachbargrundstück zog ihre Schwester mit Familie. So wohnte in der Kurrerstraße ein kleiner Familienclan beisammen. Es wurde viel zusammen gespielt und unternommen.

Freizeitaktivitäten in den 50er Jahren

Gerne wurde von Familie Weber nach dem Kirchgang ein Ausflug in den Stadtgarten unternommen. Besonders schön war es, am Springbrunnen dort zu spielen.
Ausflüge in die weitere Umgebung waren eher selten, obwohl in dieser Beziehung die Familie schon immer mobiler war als andere; denn der Vater von Frau Weber - im Gemüse- und Lebensmittelhandel tätig - besaß zunächst ein Pferdegespann und danach, schon vor dem Krieg, ein Auto.
Manchmal wurde für eine Wanderung auf die Alb aber auch die Straßenbahn genommen, die damals noch durch die Tübinger Straße bis nach Betzingen fuhr. Am alten Karlsplatz stieg man in die Linie nach Pfullingen um, wo dann die Wanderung begann.

Wohnen und Arbeiten zusammen

Die Tübinger Vorstadt war schon in den 50er Jahren ein sehr lebendiger und abwechslungsreicher Stadtteil: Noch viel weniger dicht bebaut als heute, gab es schon immer eine Mischung aus Wohngebäuden und vielen Gebäuden mit gewerblicher Nutzung.
Frau Weber erinnert sich, dass es praktisch alle Güter des täglichen Gebrauchs in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu kaufen gab: Bäckereien, ein Metzger, eine Drogerie und Apotheke, Läden für Molkereiwaren, Lebensmittel und Gemüse. Von diesen Geschäften ist heute nur noch die Bäckerei Fries übrig geblieben.
Viele Familien versorgten sich in den ersten Jahren nach dem Krieg aber auch noch weitgehend selbst. In den Gärten wurde Obst und Gemüse angebaut, es gab auch Hühner- und Hasenhaltung. Vermisst wurde zunächst eigentlich nur ein Arzt im Wohnviertel, den gab es nur im Zentrum.
Die Tübinger Vorstadt war von Anfang an auch Standort für verschiedene Handwerks- und Fertigungsbetriebe. Frau Weber erinnert sich gerne an den Resteverkauf bei der Firma Gminder, wo es sehr schöne Stoffe aus „Gminder Halbleinen“ gab, einem alten Reutlinger Markenfabrikat, das weltweit bekannt war. Auch das heute stillgelegte Milchwerk produzierte Molkereiprodukte schon vor dem Krieg.

Die Kultur kommt nicht zu kurz

Die Erinnerungsreise darf nicht enden, ohne die wunderschönen Konzerte in der Christuskirche unter der Leitung von Hans Grischkat zu erwähnen. Das waren für sie die kulturellen Höhepunkte hier in der Tübinger Vorstadt.

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